Besucher, die einen Leitfaden für den Umgang mit uns Borderlinern suchen,
muss ich leider enttäuschen.
Ich halte nicht sehr viel von Auflistungen mit eine Fülle von “do” und “don’t”. Sie erscheinen vielleicht auf den ersten Blick recht nützlich, aber letzten Endes erwecken sie den Eindruck, dass wir Borderliner eine Maschine sind, für die man nur die passende Anleitung braucht.
Wir sind zwar Borderline - Persönlichkeiten, aber wir sind wie jeder andere Mensch auch, Individuen..... versehen mit einer ganz eigenen Persönlichkeitsstruktur, mit den entsprechenden Gefühlen und Verhaltensmustern. Wir bestehen nicht nur aus einem Katalog von Symptomen wie man sie im DSM IV oder ICD 10 finden kann.
Dasselbe gilt auch für die Partner von Borderlinern. Natürlich gibt es auch die sogenannten “Co - Borderliner”, die sich in einer sehr starken und selbstschädigenden Abhängigkeit zum Borderliner ausdrückt, aber das Ausmaß oder die Existenz einer solchen Abhängigkeit wird von der Persönlichkeitsstruktur des Partners bestimmt und nicht von der des Borderliners.
Es gibt einige Ex Partner von Borderlinern die das Scheitern ihrer Beziehung auf die Borderline - Persönlichkeit ihres Partners zurückführen........das kann sein
kann aber auch nicht sein.
Auch bei “Nicht - Borderlinern” scheitern Beziehungen oder Ehen, auch in diesen Beziehungen existiert Gewalt, Unterdrückung , Untreue und vieles andere mehr. Es ist eine menschliche Eigenschaft die Schuld für das Versagen einer Beziehung bei dem anderen zu suchen und wenn der andere eine Borderline - Persönlichkeit ist, dann scheint die Schuldfrage ja offensichtlich geklärt zu sein....................., das nur mal so als Denkanstoß.
Ich möchte damit nicht die tatsächlich vorhanden Schwierigkeiten die sich in der Beziehung mit einem Borderliner ergeben verharmlosen, es gibt sie...........aber ich kann nun mal keine Pauschalurteile bzw. Vorurteile leiden.
Ich weiß von mir und einigen anderen Betroffenen was für uns Borderliner in einer Partnerschaft wichtig ist und das habe ich in der folgenden Beschreibung versucht genauer auszuformulieren. Genau genommen führt man mit uns keine Zweierbeziehung, sondern eine Dreierbeziehung, denn wir haben einen ständigen Begleiter und der heißt ANGST!
Diese Angst kann sich bei uns auf unterschiedlichste Art und Weise zeigen, aber sie prägt und steuert unser Handeln und Denken. Bei mir hat sich diese Angst als Verlustangst manifestiert. Wenn ich von meinem Partner nicht ständig genügend Aufmerksamkeit bekomme, frage ich mich ob er mich noch liebt oder ob er von mir nichts mehr wissen will.
Dieselben Fragen stelle ich mir auch, wenn mein Partner nicht in meiner Nähe ist. Das liegt bei vielen von uns an der Unfähigkeit an die Konstanz von Gefühlen zu glauben.
Ich muss mich also sehr oft vergewissern ob die Gefühle bei meinem Partner mir gegenüber noch da sind. Da kann es schon passieren, das ich x mal am Tag nachfrage ob ich die richtige Frau für ihn bin, ob ich ihm zur Last falle oder ob alles in Ordnung ist.
Ich mache das nicht, um meinen Partner zu nerven, sondern um mich sicher zu fühlen. Von daher ist es sehr hilfreich, wenn der Partner auch die xte Nachfrage gelassen beantwortet, in dem Wissen, dass es die nötige Sicherheit vermittelt. Eine wichtige Eigenschaft von Borderline - Partner ist etwas “nicht persönlich” zu nehmen bzw. zu verstehen.
Wobei ich ganz ehrlich zugeben muss, dass es sich hierbei um eine sehr hohe und schwierige Anforderung handelt. Einen Ausraster von uns oder einer der vielen Stimmungsschwankungen nicht persönlich zu nehmen ist sehr schwer.
Ich habe aber festgestellt, dass es geht, zumindest ist mein Partner dazu in der Lage. Es war in den ersten Monaten auch sehr schwer für uns, es gab viele Streitereien und auch Tränen, aber wir haben immer wieder geredet und geredet und heute weiß er, dass er für meine Stimmungsschwankungen und Ausraster nicht verantwortlich ist, er weiß und akzeptiert es als Bestandteil meiner Borderline - Persönlichkeit.
Miteinander reden ist sowieso das Wichtigste überhaupt (wobei das auch in “normalen” Beziehungen das Wichtigste ist) und damit das möglich ist, müssen auch wir unseren Beitrag leisten und damit meine ich die therapeutische Begleitung. Ohne Therapie und höchstwahrscheinlich auch ohne eine medikamentösen Therapie wird eine gut funktionierende und partnerschaftliche Beziehung nicht möglich sein, da es für den Borderline - Partner sonst über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus geht und das ist etwas was jeder Borderline - Partner von seinem “Bordi” zu Recht fordern soll.
So.......und jetzt überlasse ich meinem Partner das Wort um über das Zusammenleben mit einer Borderlinerin zu berichten.
Nun ja, es ist zunächst nicht ganz einfach für mich, ein Statement über das Zusammenleben mit einer Borderline - Partnerin abzugeben, jedoch ist es nicht unmöglich mit einer solchen Frau ( oder auch Mann natürlich ), zusammenzuleben. Wie in eigentlich ganz “normalen” Beziehungen sollte diese zunächst geprägt sein von gegenseitiger Achtung und Respekt, sowie von gegenseitigem vollen Vertrauen.
Aber das sind Bedingungen, wie sie auch in jeder anderen Beziehung notwendig sind. In unserer Beziehung sind aber noch andere Komponenten ausgesprochen wichtig.
Eine solche ist z. B. ein liebevoller Umgang miteinander, besonders ein “oft sich gegenseitig in den Arm nehmen”, also ein Körperkontakt, der zum Ausdruck bringt, ich liebe Dich so wie DU bist und ich gebe DIR die Sicherheit, dass ich für DICH da bin, egal was passiert oder passiert ist. Sicher, leide ich auch, wenn es ihr nicht gut geht und sie “mal wieder” einen Anfall von Schuldselbstzuweisung ohne einen wirklich Grund dafür zu haben hat.
Ich bin mit Sicherheit kein Co - Abhängiger, aber für solche Situationen muß man schon eine gewisse Sensibilität besitzen und dann keine falschen Anschuldigungen machen, aber würde nicht jeder andere, in einer “normalen” Beziehung nicht auch dann leiden?
Sehr viel Feingefühl und auch Diplomatie sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Zusammenleben, insbesondere was die verbale Kommunikation betrifft. Am Anfang unserer Beziehung haben wir uns manchmal verbal sehr verletzt, bis wir gelernt hatten, dieses Kommunikationsmittel richtig einzusetzen und uns nicht mehr zu verletzen, was nicht heißt, dass wir uns gegenseitig nicht auch mal Wörter an den Kopf knallen die nicht dudenreif sind, diese sind dann aber eher belustigend und scherzhaft gemeint.
Wie meine Partnerin oben schon erwähnt hat, ist es sehr wichtig, viel miteinander zu reden über die täglichen Gefühle und Dinge, die einem selbst bewegen.
Insbesondere hatte ich das Glück, dass meine Partnerin Psychologie studiert hat und mich diese Thematik sehr interessiert.
Es hat mit Sicherheit nicht jede Borderline - Persönlichkeit diese Möglichkeit, jedoch sollte ein Partner sich doch sehr damit beschäftigen, was ihm vielleicht auch letztendlich generell mehr Verständnis für die Verhaltensweise seiner Mitmenschen vermittelt.
Ich könnte wohl schon noch einiges über unsere Beziehung schreiben, aber ich will es hierbei belassen, nur noch so viel, dass ich sagen kann, dass ich mit meiner Partnerin glücklich bin und jedem anderen Partner/in wünsche, diese tiefe Empfindung zu begreifen und zu erleben.